Freitag, 16. November 2012

Drittens . . . der Bährenführer





Der Bärenführer im Olgas-Park
   (oder Bährenführer?)


Im August, einem Samstag, ging ich schon um 10 Uhr abends ins Bett. Wie fast immer im Sommer, schlief ich an meinem Fenster.
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Gerade war ich etwas eingeschlafen, da wachte ich wieder auf von einem feinen, tieftönenden, brummenden Geräusch, das ab und zu aufhörte und dann wieder weiterging. Eigenartig und ungewohnt, ich meinte, sowas habe ich noch nie gehört. Dachte auch an schubweise fein und schnell tropfendes Wasser.

Ich machte Licht und finde schließlich unten am Fenster einen wunderschönen Schmetterling. Ich hatte ihn dieser Tage schon abends gesehen. Doch da dachte ich später, er sei hinausgeflogen in die Nacht, wo er hingehört.

Nun ist er immer noch da – oder ein gleicher. Ich erkenne ihn, er ist abgebildet in Ernst Kreidolf´s Buch „Sommervögel“, das ich von meiner Mutter geschenkt bekommen hatte – schon vor Jahrzehnten. Und das sie von ihrem Vater bekommen hatte, ein Schmetterlingsliebhaber. Als Kind hatte sie es bekommen, und ich Jahre später auch. Auf dem Bild „das Raupentheater“ ist er als „Bärenführer“ abgebildet, auch „Brauner Bär“ genannt.

Dieser aber, der mich besucht, ist viel schöner. Sein Leib, jedenfalls der Hinterleib, ist knallrot – wie auf Kreidolf´s Bild die Hinterflügel. Mein Gast hat ebensolche Hinterflügel, nur scheinen die Flecken kein Blau zu enthalten sondern ganz schwarz zu sein. Ich erinnere mich vielleicht nicht richtig, daß auch sein Kopf nicht rot ist sondern dunkelbraun oder schwarz, der Vorderleib wohl auch. Alles am Leib behaart. Die Vorderflügel ähnlich gemustert wie bei Kreidolf, nur das Muster etwas anders, und statt braun sind die Flecken schwarz, fast jedenfalls (ich habe gehört, daß die Bärenschmetterlinge sehr individuell verschieden aussehen).

Ausgebreitet messen die Flügel wohl 6 bis 7 cm.





Ich bot ihm ein großes, sauberes Gurkenglas an, in das er schnell vertrauensvoll kroch. Dann brachte ich ihn auf den Balkon und setzte ihn auf eine Decke, die dort liegt. Doch er will immer wieder auf meine Hand und läuft geschwind meinen Arm hoch. Schließlich sitzt er auf meinem linken Daumen und flattert summend ohne aufzufliegen. Ich lasse ihn und höre seinem schnellen Flügelschlag zu – ganz fein und angenehm.

Er fällt auf den Fußboden, und ich lasse ihn wieder auf den Daumen klettern. Er wendet sein Gesicht mal mir zu, mal wieder ab. Mal flattert er, mal ist er still. Ich lasse ihn seinen nach hinten strömenden Flügelwind auf empfindsame Stellen meines Gesichtes wehen: fein und kühl. Will er mir eine Nachricht bringen? Ich verstehe seine Schönheit und sein Vertrauen. Auch scheint er mir königlich zu sein.

Schließlich nehme ich ihn in die geschlossene Hand und werfe ihn in die Nacht hinaus,und schnell fliegt er weg:
danke, Bärenführer-Schmetterling für Deinen Besuch!

Ich mochte ihn mir nicht genauer ansehen, ich fühle, ich würde ihn quälen, und mir ist es, als ob das zu weit ginge, zu intim wäre.


Einen anderen Bärenführer fotografierte bei uns Anne Wellershaus, der Bärenführer und ich danken Dir






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